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Das BVerfG kippt die Vorratsdatenspeicherung, und die Innenminister (wie auch Polizei, Geheimdienste etc.) fordern sofort ein neues verfassungskonformes (und damit meinen sie strengeres) Gesetz zur Datenbevorratung. Sogleich malen sie den Untergang der Zivilisation, die sich ja noch von dem Terrorwinter zu erholen versucht, an die Wand. Das ruft natürlich sogleich wieder Klein-Bloggersdorf auf den Plan, die sich kaum des finsteren Alters erinnern, das dem Datensammeln voranging.
Ich muß an dieser Stelle einfach mal sagen, daß man etwas weniger Häme und dafür etwas mehr Mitleid an den Tag legen sollte. Die Innenminister leiden Höllenqualen, die sich keiner von uns vorzustellen vermag. Sie werden bedroht von all diesen merkwürdigen Menschen, die sich allerorten aufhalten. Diese Menschen trachten ihnen nach dem Leben. Ständig tuscheln und lachen sie hinter der Innenminister Rücken. Schmieden Pläne, wie sie die armen Minister quälen und terrorisieren können. Dann diese fiese Gesellen, die den Ministern jeden morgen bedrohlich aus dem Spiegel ins Gesicht starren. Und erst dieser Schatten, von dem sie den ganzen Tag verfolgt werden. All diese Ganoven sprechen sich dann auch noch in diesem komischen magischen Inter-Killer-Web-Dingsda ab und koordinieren ihre Missetaten!
Nein, ich kann verstehen, daß man da unbedingt handeln will und muß.
Ich mache das ja eigentlich nicht, aber hier muß ich einfach eine Ausnahme machen:
Die gesellschaftliche Konfliktlinie verläuft heute nicht zwischen ‘Leistungsträgern’ und ‘Leistungsverweigerern’, sie verläuft zwischen ‘Verantwortungsträgern’ und ‘Verantwortungsverweigerern’, also zwischen Grupp und Ackermann, zwischen Geißler und Westerwelle, um das Ganze auch mal zu personifizieren.
QFT!
[via: Der Spiegelfechter - Der Anachronist und die Talkshow]
gehen Sie! Wir alle kommen ohne Sie gut zurecht!
~ Christian Springer zu Guido Westerwelle
Liebe FDPler, lieber CDUler, lieber Bänker und Manager, kurz liebe selbsternannten Leistungsträger,
schon vor über 750 Jahren schrieb Konrad von Würzburg euch folgendes ins Stammbuch:
die rîchen die bedürfen doch
triuwen baz dan iemen.
ob triuwe pflæge niemen,
so würde kranc der rîchen habe.
man züge in und bræche in abe
ir guot und al ir êre.‘Die Reichen brauchen doch
die Treue* mehr als jeder andere.
Wenn niemand treu wäre,
würde das Hab der Reichen wertlos.
Man nähme und zerstörte ihnen
ihr Gut und all ihr Ansehen.’~Konrad von Würzburg: Engelhard, Verse: 104-109
Wie wäre es, wenn ihr euch das wenigstens hin und wieder mal zu Herzen nähmet?
*Das mittelhochdeutsche triuwe ‘Treue’ bezeichnet nicht nur die Treue im neuhochdeutschen Verständnis, sondern umfaßt Aufrichtigkeit und Zuverlässigkeit.
Großartige Idee, tolle Umsetzung und natürlich nur zu wahr.
Gerade im eigenen Blogarchiv gefunden: Keine Rückgrat. Mir dünkt, ich habe mich da geirrt, auch wenn ich immer noch nicht verstehe, weshalb er wider besseres Wissen zugestimmt hat.
Doch du bist heimatlos,
Belogen, Betrogen,
Übern Tisch gezogen,
Wie von ‘nem schwarzen Loch aufgesogen.
Heimatlos,
Abgezockt,
Trocken gedockt,
Schwer geschockt,
In die Falle gelockt,
Und wie ein Schaf an den Hinterbeinen angepflockt.
Ein blödes Gefühl,
Du findest kein Asyl,
Du bist nackt und bloß,
Heimatlos.~Reinhard Mey: Heimatlos
Nach dem letzten Amoklauf geschah, was bisher nach jedem Amoklauf geschehen ist: der Killerspiel-Verbotsreflex schlug zu. Es wurde mal wieder das Verbot sogenannter Killerspiele gefordert. Das stieß natürlich in der Spielergemeinde auf wenig bis keine Gegenliebe. Wirklich interessant war ein anderer Reflex, dessen sich auch die Spielergemeinde in weiten Teilen schuldig machte: dem Schützenverein-Verbotsreflex. Es hatte wirklich etwas von Realsatire mit welcher Arroganz und Unwissenheit von Spielern wie zum Trotze das Verbot von Waffen und Schützenvereinen gefordert wurde und man im selben Atemzug den Spielkritikern jegliche Kompetenz absprach.
Alex hat jetzt dazu einen sehr lesenswerten Beitrag verfaßt. Ich möchte dem jetzt hier auch gar nicht viel hinzufügen (vielleicht irgendwann mal, wenn ich etwas mehr Zeit habe, deren fehlt es mir derzeit doch sehr), nur als weiterer Denkanstoß: Es ist auffällig, wie häufig Menschen (und mich selbst kann und will ich da auch nicht mit Sicherheit ausnehmen) völlig unwissend Dinge aus dem Bauch heraus fordern und behaupten.
Also vielleicht wirklich mal, wenn man keine Ahnung hat, einfach Fresse halten.
Ich gehören zu den Menschen, die sich das Recht herausnehmen, nicht Kunde zu sein, von Firmen oder Personen deren (Geschäfts-) Gebaren mir nicht gefällt. Ich trinke keine Müllermilch mehr, kaufe nicht bei Lidl und mache einen Bogen um Nokiahandys. Die meisten Menschen meinen, daß ich deswegen spinne, da ja eh alle gleich viel Dreck am Stecken hätten, und keiner besser sei als der andere und letztlich erreichte ich damit ja eh nichts. (Dazu vielleicht in einem anderen Blogeintrag mal mehr.) Was ich damit sagen will, ist, daß ich der letzte bin, der in einem solchen Falle einen Stein auch nur ansehen dürfte, dennoch hätte ich da mal eine Frage:
Der Kaufhof möchte also alle FSK18-Filme und alle USK18-Spiele aus dem Sortiment nehmen. Und jetzt gibt es tatsächlich Spieler, die meinen, eben jenem Kaufhof nicht mehr als Kunde zur Verfügung zu stehen. Vielleicht bin ich ja nur begriffsstutzig, aber wieso das denn? Ich meine Kaufhof?! Wenn es Saturn oder der Pro Markt wäre, könnte ich es ja noch verstehen. Aber Kaufhof? Gibt es wirklich Spieler, die da überhaupt ihre Spiele kaufen? Das ist doch nur ein Wir-haben-von-allem-etwas-Markt.
Und überhaupt: Was machen die denn wirklich so schlimmes? Sie wollen keine USK18-Spiele mehr verkaufen, und das ist jetzt so schlimm weil …? Ich verstehe es ehrlich überhaupt nicht.
Nachtrag (um 17:02 Uhr):
Gerade bei Kaliban in einem Kommentar gefunden:
Media Markt: Eigene Indizierung und Personendatenerfassung
So sieht ein Boykottgrund aus. Ich bin ja bei sowas immer fassungslos und frage mich, worüber mehr: Über die Dreistigkeit des Ladens oder die Hörigkeit des Kundens, der das mit sich machen läßt.